Mittwoch, 8. September 2004

Ist das wieder so ne Phase?

Heute ist so ein Tag, an dem man mich komplett in die Tonne treten kann. Müde, in Watte gepackt, nicht wirklich ansprechbar und mit den Gedanken meist völlig woanders als hier. Mein gestriger Tatendrang hat nur zum Spülen ausgereicht, den Rest des Abends verbrachte ich stumpfsinnig auf dem Sofa, mit Björk zwar, aber unfähig für alles. Rauchen ging noch (das geht immer, eine nach der andern), aber das wars auch schon.

Und heute lese ich mich ziellos durchs Netz und finde im Archiv der nicht nur von mir hochgeschätzten "Frau Gröner":http://www.ankegroener.de einen Eintrag (um genau zu sein, den vom 14.11.2002. Bitte selber suchen, kann ich nämlich hier nicht verlinken), der mich stark an mich erinnert. Und mich ein bißchen stutzig macht. Wer behauptet, mein blog sei zu intim, der lese bitte ihren!

Depressionen, hm?

Ich hatte eine Phase in der zwölften und dreizehnten Klasse, da war ich (rückblickend betrachtet) eindeutig depressiv. Ich habe nur geschlafen, bin irgendwann aufgestanden, nicht in die Schule gefahren, sondern Schuhe angezogen und in den Schlafklamotten in eines der Cafés hier, die bis um sechs Frühstück anbieten. Dort saß ich dann alleine rum, bis ich keine Lust oder keine Kippen oder kein Geld mehr hatte, und bin wieder nach Hause, liegen, lesen, schlafen.

Ab und zu doch mal Schule, reiner Frust. Ich weiß wirklich nicht, wie ich es geschafft habe, gerade so viel zu fehlen, daß sie mich nicht von der Schule schmeißen konnten, echt nicht. Meine Mutter hat sich damals unheimliche Sorgen um mich gemacht, aber da ich nicht mehr zuhause wohnte, hat sie mich machen lassen und einfach nur gebetet, daß ich vernünftig genug bin, meinen Weg ohne bleibenden Schaden zu gehen. Dafür bewundere ich sie heute grenzenlos: mit welcher Ruhe und Gelassenheit sie das durchgestanden hat, wo sie doch permanent Sorgen hatte um ihr einziges Kind und dessen Zukunft...

Ich sehe das heutzutage an meiner fünf Jahre jüngeren Kusine, die jetzt Knall auf Fall mit ihrem Freund zusammengezogen ist, um ihr eigenes Leben zu leben. Aber sie tut das auf wesentlich brachialere Weise, als ich das damals getan habe, ohne Rücksicht auf Verluste und unter Androhung von Gerichtsprozessen gegen ihre Mutter, sollte diese sie nicht gehen lassen. Ich kriege mit, wie es meiner Tante damit geht (nämlich alles andere als gut) und merke, wie das ist, wenn man sich richtig Sorgen um Menschen macht, die mit voller Überzeugung etwas tun, was eigentlich auf die Art und Weise nicht funktionieren kann und sie nur unglücklich macht.

Das Gefühl des NichtKönnens habe ich auch heute noch oft. An solchen Tagen kann ich nicht aufstehen, liege den ganzen Tag mit schlechtem Gewissen im Bett, esse ungesunde Dinge, werde immer dicker und stiller und schlechter gelaunt und kriege nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe. Für Menschen, die das nicht kennen, ist das völlig unverständlich..."Dann mach halt mal was" ist der Rat, den man bekommt. Aber es geht nicht, wirklich nicht. Ich werde von mir selbst festgehalten, meine Persönlichkeit spaltet sich in den Teil, der will, aber nicht kann, weil der andere Teil zwar könnte, aber nicht will. Wie Blei im Kopf und im Körper, nichts geht mehr, verloren für heute.

Und nur schlechte Gedanken den ganzen Tag, mal abgesehen von Tagträumereien, um die schlechten Gedanken zu vertreiben. Und dann wieder Aufsetzen in der Realität, die meilenweit entfernt ist von dem Traum, und hart an und in sich selber aufschlagen.

Ich versuche seit mehr als zehn Jahren, solche Phasen in den Griff zu kriegen, und bin der Meinung, daß ich es mittlerweile recht gut schaffe, sie zumindest nicht allzu lange andauern zu lassen. Mein Überlebensinstinkt holt mich da immer wieder raus, genauso wie mein relativ unerschütterlicher Optimismus...

***

*Seine Wut ganz tief im Innern spüren*

*Spüren, wie ein Schrei aus dem Bauch in die Kehle dringt*

*Sich dort nicht aufhält, sondern weiterdrängt*

*In den Kopf bis er voll ist mit Ungeschrienem*

***

*Auf einer Klippe stehen wollen im Sturm*

*Die Arme ausstrecken dem Gewitter entgegen*

*Gegen den Donner anschreien wollen*

***

*Auf Brücken und Straßen stehen*

*Von den eigenen Überlebensinstinkten hoffen, dass sie greifen*

*Um sich zu beweisen, dass einem nicht alles scheißegal ist*

***

*Sich wehtun sich verletzen sich verletzen lassen*

*Um sich zu zeigen, dass man noch lebt*

*Und nicht in der eigenen AngstHaßSchmerzWut ertrunken ist*

***

*Sich als Joker fühlen im Spiel*

*Nicht dazugehören und es andere wissen lassen*

*Mit dem Wissen, dass andere wissen, spielen*

***

*Sich zusammenkauern wollen im Dunkeln*

*Schreien wollen weinen wollen*

*Geht nicht wenn es Tag ist*

***

*Andere ängstigen mit der eigenen Angst*

*Andere wütend machen durch die eigene Wut*

*Andere verzweifeln lassen an der eigenen Verzweiflung*

*Nur um die Gesichter zu sehen*

***

*Krank sein wollen oder so tun*

*Sich krank reden*

*Aus Angst, wirklich krank zu sein*

*Aus Angst, an der eigenen Krankheit zugrunde zu gehen*

*Und gleichzeitig wissen, dass man es nicht tun wird*

*Dass man gesund ist im Grunde seines Herzens*

***

*Das alles sehen und nichts dagegen tun können*

*Weil man nichts dagegen tun will*

*Auf sich selber zurückgeworfen sein*

*Um sich selber zu verdrängen*

*Um das Leben nicht so nehmen zu müssen, wie es ist*

*Oder zu sein scheint*

*Oder sein soll und nicht kann, weil man ist, wie man ist*

***

*Sich hassen, weil man sich verachtet*

*Für das, was man haßt und nicht richtig machen kann*

*Weil da so viel Selbst- und Fremdhaß ist*

***

*This is my darkness*

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Dienstag, 7. September 2004

And the air we breathe will take us!

Der geneigte Leser mag erkennen, daß sich die Verfasserin dieser Zeilen zur Zeit mal wieder im emotionalen wenn nicht Ausnahme- so doch zumindest Unfallzustand befindet...

Bin neben mir und im ZombieMode, sprich das Hirn und das Herz auf StandBy stellen und trotzdem weitermachen. Nichtsdestotrotz bemerke ich heute sehr deutlich, daß meine Überlebensinstinkte wieder greifen: Ich habe Lust, was zu verändern, was anzupacken, mich aus der Watte auszupacken und wieder da zu sein. Ich rappel mich also tatsächlich wieder auf. Das ist gut.

Zwar bin ich immer noch sehr empfindlich und launisch, aber das ist meines Erachtens durchaus legitim und darf ruhig noch ein paar Tage dauern. Tatsache, ich scheine doch auf die Füße zu fallen.

Bei mir geht das meistens erstaunlich schnell, daß ich mich wieder gefangen habe, was ja bedeutet, daß ich zäher bin als von mir angenommen. Gut so.

Die Überlegung, was zu verändern, betrifft übrigens auch den blog hier....das kann ich allerdings noch nicht ohne technischen support (hinthint). Vielleicht höre ich auch ganz auf? Mal sehen.

Aber (typisches Frauenverhalten) erstmal die Frisur ändern und das tun, was ich schon immer mal haben wollte. Ich bin gespannt, ob's klappt und ich bin gespannt, wie die Reaktionen (incl. meiner) so werden. Suspense!

Montag, 6. September 2004

Never is a long time...

So. Nach den letzten fünf Tagen bin ich reif für irgendwas ganz Großes, Tolles, Schönes. Jedenfalls bilde ich mir ein, daß ich das jetzt verdient habe.

Donnerstags ein Gespräch, was seit über drei Jahren fällig, aber unmöglich war. Bis jetzt. Und eine Entschuldigung, mit der ich nie nie nie gerechnet hätte. Tatsache: Menschen ändern sich. Ich fühle mich was das betrifft, also diese Zeit und diesen Menschen, endlich fähig, loszulassen und frei zu sein.

Und gestern dann die absolute Ernüchterung. Alle Hoffnungen, die vorher immer noch bestanden haben, zunichte gemacht. Und da greift dann wieder meine persönliche Statistik: Männer, mit denen ich zusammen war (oder sowas Ähnliches), intensiv viel Zeit verbracht habe, viel Energie investiert, mein Herz aufgemacht, haben danach meist sehr glückliche, sehr lange Beziehungen. Nur eben nicht mit mir. Leider. So auch hier: Vier Wochen gut, vier Wochen anstrengend, Scheiterungsgrund: Es geht halt nicht, keine Beziehung, SichNichtEinlassenKönnen auf niemanden. Was sich anscheinend in drei Wochen um hundertachtzig Grad drehen kann. Sofern es nicht um meine Person geht.

Das ist jetzt schon das vierte Mal, daß mir sowas genau so passiert, und so langsam will ich das nicht mehr. Mit dem dummen Gefühl zurückbleiben, Geburtshelfer für Beziehungsfähigkeit zu sein, nur um danach nicht mehr gebraucht zu werden, mission acomplished, Auftrag ausgeführt, neue Narben im Herzen. Auch wenn ich den Leuten immer gegönnt habe, glücklich zu sein, würde ich mich doch auch gerne mal wieder (oder vielleicht kann ich mittlerweile sogar so weit gehen, zu sagen "überhaupt mal") richtig geborgen, aufgefangen, gehalten, geliebt fühlen. Und nicht wie eine Therapeutin. Würde ich das professionell machen, verdiente ich mir einen goldenen Arsch, bin ich mir sicher.

Klar, hadern nützt nichts. Klar, es ist ehrlich gelaufen. Klar, wir werden befreundet bleiben. Aber das Bewußtsein des "nie wieder" und des "schon wieder nicht" tut weh. Am ganzen Körper. Ich bin froh, daß ich bei dem Gespräch gestern die Nerven behalten habe. Und ich weiß, ich werd's überleben. Trotzdem...das Herz wird immer größer und sperriger und schwerer zu tragen, drückt auf die Augen und auf den Kopf, auf die Schultern, versperrt mir die Sicht, nimmt mir die Sonne und die Sprache.

Es gibt einen schönen Satz aus einem Film, den ich hier schonmal empfohlen habe...

"Wir sitzen hier, die Sonne scheint, trinken unser Bier und sind glücklich. Oder auch nicht. Und dann frage ich mich immer: Warum reicht das nicht?"

Ganz genau das. Ich habe so viel, und es reicht nicht. Ich habe mehr als jemals zuvor in meinem Leben, bin mehr als zuvor bei mir, mehr geordnet und geregelt. Aber es reicht nicht. Ich bin bereit, in Habachtstellung, auf dem Sprung für das Große, Gute, Schöne. Jetzt.

Und ich habe Angst, immer wieder zu fallen, mich fallenzulassen, und irgendwann nicht mehr aufstehen zu können, weil da keiner ist, der mich fängt.

Ich bin bis jetzt immer auf die Füße gefallen, gestolpert zwar und meist kein glatter Abgang, aber am Ende habe ich doch immer gestanden. Nur: Wann ist das eine Mal zuviel? War das jetzt schon? Wie oft halte ich das noch aus?

Das Leben geht weiter. Floskel, aber wahr. Tut es. Gibt immer morgen, heute, gestern. Mein Optimismus kommt auch wieder, nur jetzt gerade reicht's mir erstmal. Wenigstens kann ich jetzt daran arbeiten, loszulassen und mich zu verabschieden. Und Dinge lernen.

Es wird sich etwas ändern, wenn nicht von außen, so doch von innen.

Erstmal weitermachen, bißchen Maske aufsetzen, bis es wieder geht, mich von innen nach außen zu kehren.

Autsch.
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