Montag, 5. Juli 2004

Status quo.

*Fragen und Antworten*

Wo sie wohnt?

Im Haus neben der Verzweiflung

Mit wem sie verwandt ist?

Mit dem Tod und der Angst

Wohin sie gehen wird

Wenn sie geht?

Niemand weiß das

Von wo sie gekommen ist?

Von ganz nahe oder ganz weit

Wie lange sie bleiben wird?

Wenn du Glück hast

Solang du lebst

Was sie von dir verlangt?

Nichts oder alles

Was soll das heißen?

Daß das ein und dasselbe ist

Was gibt sie dir

-Oder auch mir- dafür?

Genau soviel wie sie nimmt

Sie behält nichts zurück

Hält sie dich

-Oder mich- gefangen

Oder gibt sie uns frei?

Es kann uns geschehen

Daß sie uns die Freiheit schenkt

Frei sein von ihr

Ist das gut oder schlecht?

Es ist das Ärgste

Was uns zustoßen kann

Was ist sie eigentlich

Und wie kann man sie definieren?

Es heißt daß Gott gesagt hat

daß er sie ist


***

*Dich verlieren*

Dich verlieren

an dein Glück

oder an dein Unglück

Und nicht wissen können

welches es ist

***

Dich verlieren

an dich

oder an das was nicht du ist

Und wie entscheiden

was du bist oder nicht du

***

Dich nicht verlieren wollen

dir oder uns zuliebe

oder desto weniger Antwort

je öfter ich frage

***

Dich nicht verlieren müssen

Vielleicht wenn wir stärker sind

als dieses Unglück

das Kraft schöpft

aus deiner und meiner Liebe

***

Erich Fried
-----

Mittwoch, 30. Juni 2004

Freiwillig unfreiwillig.

Wahlen an der Uni. Fakultätsrat, Senat, weiß der Geier was. Und ich mittendrin als Wahlhelferlein... Habe also heute vier geschlagene Stunden damit verbracht, Unbekannte abzuhakan, ihnen Zettel in die Hand zu drücken, auf denen Unbekannte zur Wahl stehen und dann wieder abzuhaken, daß sie die Zettel auch ordnungsgemäß in die Urnen werfen, grün zu grün, weiß zu weiß, dankeschön.

Das Ganze war nach Fakultäten geordnet, und in der von mir wahlhelfend "betreuten" Fakultät drei kamen in vier Stunden (also zwischen neun und dreizehn Uhr) doch immerhin vierzehn Leute zum Wählen. Wow. Und dafür werden zwei Hiwis und ein Mitarbeiter abgestellt. Für vierzehn Leute. Immerhin gabs einen Gutschein für Mittagessen in der Mensa *börp* und Freigetränke aus der Cafeteria.

Trotzdem.

Gleich noch ne Sitzung von der Erziehungswissenschaft, in der wohl die Fetzen fliegen (Nullrunde, kein Geld, Schließung Ja/Nein, Panikmache seitens der Fachschaft). Und ich habe mich bereiterklärt, da hinzugehen und meine Meinung (die sich tatsächlich mit der der Professoren deckt und gegen die Fachschaft geht - nie fragen, it's a long story) kundzutun und mir auf den Deckel geben zu lassen.

Danach dann MultiKultiFest mit Bühne, auf der meine Wenigkeit mit zehn anderen Weibern tanzenderweise auftreten wird. Hat sich auch erst letzte Woche ergeben, daß wir das heute tun, und ich habe Angst. Bühne. Ganz vorne. In der Mitte. Ich. Gnah.

Alles in allem ein Tag, an dem ich fast nur Dinge tue, auf die ich eigentlich keine Lust habe, mich aber sozial verpflichtet fühle und sie deshalb trotzdem tue. Ist auch an sich alles nicht so schlimm, aber eben sehr gehäuft. Mag nicht. Will heim und schlafen oder lesen oder irgendwas anderes tun.

Aber natürlich könnte es auch schlimmer sein. Es kann immer schlimmer sein. Aber Lampenfieber ist echt ätzend. Hach.

Montag, 28. Juni 2004

Körperwelten...

Wenn man einen Menschen berührt, erschließt sich eine Welt.

Eine neue Körperwelt, nicht plastiniert, sondern mehr als lebendig, ein Mensch, der atmet, denkt und reagiert.

Und ich darf für kurze Zeit an dieser Welt mit meinen Händen und meiner Körperwelt teilhaben, darf mit einem Menschen in dem Moment mehr als den Kopf und die Gedanken teilen.

Erstaunlich, wie wenig Körperkontakt hier in unserer Gesellschaft kultiviert wird. Es tut doch mehr als gut, von Freunden zur Begrüßung richtig in den Arm genommen zu werden, jemandes Hand zu halten, einfach mal so Menschen anzufassen.

Warum machen wir das viel zu selten?

Warum bin auch ich so konditioniert, daß es mir erst einmal unangenehm ist, Menschen zu berühren? Auch solche, die ich gerne mag? Oder, noch schlimmer, mich berühren zu lassen?

Warum hat man seinen Distanzbereich und warum haben den alle?

Warum darf "man" sein Gegenüber nicht einfach umarmen, wenn einem danach ist?

Warum kommen mir manche viel zu nahe, wogegen andere viel zu weit weg sind?

Nonverbale Kommunikation ist mir ein Rätsel.

Trotzdem: Als Bakterie würde ich mich langweilen. Aber hallo.
-----

*blinzel*

Vier Stunden Schlaf sind für eine Dame *hust* meines Alters einfach zu wenig. Kombiniert mit um acht Uhr aufstehen und arbeiten gehen ein wahres Melodram, objektiv gesehen.

Aber ich muß hier doch ein paar Zeilen schreiben, bevor ich zu müde dazu bin...

Zunächst einmal neu in Smiris persönlicher Hall of Helden:

der Herr "Ro":http://www.austinat.de, der mich mit zwei Paketen voller Bücher und Videos sehr sehr zufrieden gestimmt hat. Hach. Zufrieden ist gar kein Ausdruck...

Zu bewundern sei an dieser Stelle auch der tapfere Mann von der Post, der mir die zwei Riesenpakete tapfer in den vierten Stock geschleppt hat!

Desweiteren war das Wochenende angenehmerweise tatsächlich ein recht innerhäusiges, bis auf ein wenig Ubusitzen und reden und zu Mama fahren und aufräumen (Tatsache, meine Wohnung ist wieder besuchbar!).

Sonntag (sprich: gestern) hat dafür natürlich extrem gerockt: Gute Theaterprobe, guter Film, gute Gespräche, gute Gefühle auf allen Seiten.

Schön, wenn Andere selbstverständlich Rücksicht auf eigene, unausgesprochene Bedürfnisse nehmen und einen einfach da stehen lassen, wo man sein will, obwohl man das nicht vor allen anderen klären kann/soll/will.

Und noch viel schöner, wenn man leise eine Frage zugeflüstert bekommt. Wenn klar ist, daß man da, wo man ist, trotz anfänglicher Zweifel doch hinpaßt.

Und wenn klar wird, daß man alles aussprechen kann, was man so denkt, wenn man nicht bewertet, sondern sein gelassen wird. Keine Spiele, keine Machtübernahme, keine Verantwortung, die auf Zwang oder Position beruht, nur Respekt und Freiwilligkeit und Mitdenken und -fühlen.

Nein, ich kann das nicht genauer beschreiben, hier nicht und auch sonst nur schwer. Es ist gut und unheimlich wichtig und vor allem mir noch nie in dieser Form passiert. Neu und seltsam, so sehr, daß ich mich manchmal frage, was ich hier eigentlich mache und was das alles ist und warum ich plötzlich damit umgehen kann. Mehr als die Summe seiner Teile und teilweise unaussprechlich. Und doch viel klarer als vieles Andere der letzten Jahre.


If language were liquid

It would be rushing in

Instead here we are

In a silence more eloquent

Than any word could ever be

*

These words are too solid

They don't move fast enough

To catch the blur in the brain

That flies by and is gone

*

I'd like to meet you

In a timeless, placeless place

Somewhere out of context

And beyond all consequences

*

I won't use words again

They don't mean what I meant

They don't say what I said

They're just the crust of the meaning

With realms underneath

Never touched

Never stirred

Never even moved through

*

Suzanne Vega, Language.

Nie fragen!

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