Confessions of an endangered mind oder: Über Grenzen, Gott und Spuren im Sand.
Zunächst mal: Dieser Eintrag geht an alle meine Lieben da draußen, an meine Familie, sei es nun biologisch zufällig oder selbst gewählte, die engsten HerzMenschen oder weitentfernte HerzVerwandte, jahrelange Begleiter oder seit kurzer Zeit in mein Leben Gefallene. Das hier ist von mir für Euch und kommt von Herzen.
Es nagte etwas an mir und rumorte in mir die letzten Tage, und ich wußte nicht, was es war. Gemerkt habe ich es erst daran, daß das mit dem Essen schon wieder nicht funktioniert, daß die Störungen und ungesunden Verhaltensweisen ärger werden und mir Ärger bereiten. Irgendwas pochte an mein Hirn und wollte rein oder raus oder woandershin.
Gestern abend wurde es akut und ließ mich unzufrieden und traurig und verzagt und klein und müde werden, aber ich denke, jetzt habe ich sowohl das Problem als erstaunlicherweise auch die Lösung. Das, was ich hier schreibe, mag sich für jemanden mit einem anderen Universum und anderen Gesetzen sehr seltsam anhören, aber ich habe die tiefe Überzeugung, daß es funktioniert...
Ich hatte heute morgen ein Gespräch, in dem mir Einiges klargeworden ist und in dem ein Satz fiel, der mich beeindruckt hat, der eine Flut von Gedanken ausgelöst und mir das Problem sowie die Lösung unter die Zunge gelegt hat, auf daß sie wenig später aus meinem Mund kullerten, laut gedacht und erst hinterher gemerkt, was ich gesagt habe: "Erst durch unsere Grenzen können wir uns wirklich nahe kommen, erst wenn sich die Grenzen berühren, wissen wir, daß wir dem andern nahe sind."
Das ist es. Erst, wenn ich meine eigenen Grenzen und die meines Gegenübers begreife, ist wirklicher Austausch möglich, sie bilden sozusagen die Andockpunkte, an denen sich zwei Universen berühren können. Das ist es, was ich lerne: Meine Grenzen zu kennen und sie zu respektieren, sie deutlich zu machen und notfalls auch zu verteidigen. Ich setze mich auseinander mit mir und meinen Grenzen, und auch mit denen der anderen: Ich beschäftige mich wirklich und wahrhaftig mit einer Person, wenn ich ihre Grenzen erfahre und zu mir in Bezug setze, das ist Beziehung im Sinne von tiefgründig, intensiv und nah.
Da ich mich so viel damit beschäftigt habe im letzten Jahr wie nie zuvor in meinem Leben, brummt mir zuweilen der Schädel vom Nachdenken, das Denken und Grübeln und Überwachen und Kontrollieren macht mich müde. Und genau hier fangen meine Confessions of an endangered mind an: Seit einiger Zeit mache ich meinen Kopf aus, weil es mir zuviel wird. Ich habe mich im letzten halben, dreiviertel Jahr (oder auch schon länger, ich weiß es nicht) so oft und so arg betrunken wie schon seit zehn Jahren nicht mehr.
In meiner Familie gibt es viel zu viele Menschen mit einem ungesunden, nein eigentlich einfach nur beschissenen Trinkverhalten, und ich gehöre auch dazu. Alkohol ist in der Gastronomie immer zugänglich, immer präsent, immer am Start: Wir nutzen das aus. Viel zu oft.
Bis vor einiger Zeit konnte ich damit völlig entspannt umgehen: Ein Glas Wein, oder auch mal zwei. Stop. Zwei, drei Bier, leicht angeschickert. Stop. Auch mal richtig betrunken nach Hause gehen, sich was kochen, am nächsten Tag Kater wie Sau. Stop.
In letzter Zeit ist mir mein inneres Stopschild abhanden gekommen: Fange ich an zu trinken, höre ich nicht mehr auf, bis ich voll bin und betrunken nach Hause gehe. Ich trinke, wenn ich gut drauf sein will, ich trinke, wenn ich wütend bin, ich trinke, wenn ich Angst habe. Ich trinke, um den Kopf auszumachen.
Seit ein paar Wochen ist mir das bewußt: Ich will nicht mehr so trinken. Also trinke ich nicht mehr oder viel weniger als vorher. Aber was tue ich stattdessen? Ich kiffe. Nicht viel im Vergleich zu andern, aber viel im Vergleich zu mir, früher, damals, bis vor ein paar Monaten, wann auch immer. Abends heimkommen, Tagwerk erledigt, Kopf immer noch an, will nicht runterfahren: Telefonieren, Tüte bauen, Kopf aus, im Rausch einschlafen.
Und seit ein paar Tagen nagt es an mir und will raus oder rein und jetzt ist es da, wo es hin soll: Ich habe ein Problem mit dem Kiffen. Ich will das nicht mehr, ich will keine Funktion mehr außer Genuß, ab und zu, FesttagsTüte, Gläschen Wein zum Essen und gerne auch mal die Kuh fliegen lassen, aber bitte nur die Kuh und nicht meine Ängste und Sorgen und Nöte und Zwänge.
Alles reine Entscheidungssache, und ich habe mich heute entschieden: Schlußaus. Lieber den Kopf anlassen, als ihn weich und mürbe und blöde zu machen, egal durch was. Mein Kopf ist es nämlich, auf den ich stolz bin, stolzer als jemals zuvor, weil er, weil ICH im letzten Jahr und auch die Jahre davor so viel geleistet habe, weil ich mich verändert habe, weil ich stärker und authentischer und ehrlicher geworden bin. Ich will diesen meinen Kopf, mit dem ich noch mein ganzes Leben verbringen muß, nicht kaputt machen. Ich will den Phoenix weder ersäufen noch ersticken, nur weil er ein Workaholic ist und keine Pausen macht. Das gehört zu mir dazu, zu meinem Leben und zu meiner Welt, und die Welt läßt sich nun mal nicht anhalten und soll es auch gar nicht, denn Stillstand heißt auch: Es dauert länger, bis alles gut wird, bis alles da ist, wo es hin soll und Frieden einkehrt.
Und an diesem Punkt kommt jemand ins Spiel, der lange nicht mehr wirklich präsent war in meinem Leben, und dessen gedachten und gefühlten Verlust ich nie verwunden habe: Gott.
Es gab mal eine Zeit, in der mein Kopf auch andauernd dachte und wollte und forderte, in der ich mich wie eine Flipperkugel durch mein Leben geworfen fühlte, aber gleichzeitig so selbstverständlich Gottes Präsenz gespürt habe, daß ich durch Beten und Meditieren oder sagen wir Zwiesprache (wortlose, gefühlte) ruhiger wurde. Ich habe mich aufgehoben und geborgen gefühlt, einfach weil ich wußte: Er ist da und alles wird gut, weil er bei mir ist, immer.
Drogen geben mir auch das Gefühl, daß mein Kopf aus ist, vielleicht sogar heftiger, aber anders: künstlich. Wenn ich morgens aufstehe und Kaffee trinke, um wach zu werden, bin ich irgendwann wach und je nach Kaffeekonsum nervös. Wenn ich morgens aufstehe und ausgeschlafen habe, bin ich wach. Punkt. Einfach und ehrlich da und wach und fertig, und nicht künstlich herbeigeführt da. Klar gibt es Zeiten, in denen einem metaphorisch gesehen anscheinend nichts anderes übrig bleibt, als sich literweise Kaffee in den Kopp zu hauen, weil man morgens wach sein muß, aber hey: Wie wäre es mal mit früher schlafen gehen?
Oder, um mal wieder aus der Metapher auszusteigen: Sich wieder mit Gott und meiner inneren Ruhe auseinanderzusetzen? Das ist zwar anstrengender und mit mehr Arbeit und Aufwand verbunden als sich einfach Alkohol undoder THC in den Organismus zu ballern, aber dauerhaft gesünder und effektiver, weil ehrlicher.
Und ich habe mich entschieden, den ehrlichen Weg zu gehen, denn der Phoenix braucht Ehrlichkeit, um zu wachsen und fliegen zu können. Ich will den Rauschmitteln ihre Funktion, die ich ihnen in letzter Zeit zugewiesen habe, entziehen und wieder alles an seinen Platz verweisen und meine Sorgen und Ängste dorthin tragen, wo sie gut aufgehoben sind.
Atheisten mögen hier berechtigerweise einwenden, daß ich mir damit eine Ersatzdroge verschaffe, Opium fürs Volk, mag sein. Aber in meinem Universum gelten meine Regeln, und wenn diese funktionieren und niemandem schaden (allen voran mir selbst nicht), entscheide ich mich dafür.
Das Taizetrauma ist immer noch nicht verwunden, es lauert immer noch irgendwo in Trash Town und harrt aus, ist irgendwo verdrängt und doch da: Die Schreie, das Blut, die Angst, die Fassungslosigkeit und Verzweiflung. Während ich dies schreibe, verändern sich die Geräusche um mich, werden kristallener, weil ich beim Schreiben dieser Zeilen an eine Glaswand gestoßen bin, die in mir nachklingt. Dahinter lauert das Trauma und sieht mich an, und ich kann es nicht fühlen oder anfassen, nur sehen, weil da noch zuviel abgespalten ist, zu schlimm und noch zu viel für mich.
Aber ich weiß, daß Gott mich nicht verlassen hat, daß er immer noch da ist. Ich kann ihn spüren, wieder lauter und mehr, jetzt. Und er ist bei mir und bleibt es und paßt auf mich auf, wenn ich nur bei mir bin und bleibe.
Eine Geschichte, die das alles verdeutlicht, muß ich an dieser Stelle einfügen:
Spuren im Sand
Margaret Fishback Powers, 1964
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"
Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."
Ich bin nicht der Fels in der Brandung, wie ich noch vor ein paar Tagen dachte. Ich bin aber auch nicht klein und verzagt und fünf Jahre alt, wie ich gestern dachte. Ich bin ich, und ich habe Probleme, und ich brauche manchmal einfach jemanden zum Anlehnen. Aber ich weiß auch, daß ich Menschen zum Anlehen und Dasein und InDenArmNehmen habe, daß ich eine Familie habe, und das macht mich glücklich.
Das Wissen, daß ich mich anlehnen darf und Kummer haben und Sorgen, daß ich angenommen werde, egal wie schlecht es mir geht, daß ich geliebt und gemocht und respektiert werde, so wie ich bin, macht mich froh und zufrieden.
Und bevor ich mich im Pathos verliere (die Sonne scheint gerade sehr gottgleich durch die Wolken und mir ins Gesicht), sage ich einfach: Danke. Euch allen.
Es nagte etwas an mir und rumorte in mir die letzten Tage, und ich wußte nicht, was es war. Gemerkt habe ich es erst daran, daß das mit dem Essen schon wieder nicht funktioniert, daß die Störungen und ungesunden Verhaltensweisen ärger werden und mir Ärger bereiten. Irgendwas pochte an mein Hirn und wollte rein oder raus oder woandershin.
Gestern abend wurde es akut und ließ mich unzufrieden und traurig und verzagt und klein und müde werden, aber ich denke, jetzt habe ich sowohl das Problem als erstaunlicherweise auch die Lösung. Das, was ich hier schreibe, mag sich für jemanden mit einem anderen Universum und anderen Gesetzen sehr seltsam anhören, aber ich habe die tiefe Überzeugung, daß es funktioniert...
Ich hatte heute morgen ein Gespräch, in dem mir Einiges klargeworden ist und in dem ein Satz fiel, der mich beeindruckt hat, der eine Flut von Gedanken ausgelöst und mir das Problem sowie die Lösung unter die Zunge gelegt hat, auf daß sie wenig später aus meinem Mund kullerten, laut gedacht und erst hinterher gemerkt, was ich gesagt habe: "Erst durch unsere Grenzen können wir uns wirklich nahe kommen, erst wenn sich die Grenzen berühren, wissen wir, daß wir dem andern nahe sind."
Das ist es. Erst, wenn ich meine eigenen Grenzen und die meines Gegenübers begreife, ist wirklicher Austausch möglich, sie bilden sozusagen die Andockpunkte, an denen sich zwei Universen berühren können. Das ist es, was ich lerne: Meine Grenzen zu kennen und sie zu respektieren, sie deutlich zu machen und notfalls auch zu verteidigen. Ich setze mich auseinander mit mir und meinen Grenzen, und auch mit denen der anderen: Ich beschäftige mich wirklich und wahrhaftig mit einer Person, wenn ich ihre Grenzen erfahre und zu mir in Bezug setze, das ist Beziehung im Sinne von tiefgründig, intensiv und nah.
Da ich mich so viel damit beschäftigt habe im letzten Jahr wie nie zuvor in meinem Leben, brummt mir zuweilen der Schädel vom Nachdenken, das Denken und Grübeln und Überwachen und Kontrollieren macht mich müde. Und genau hier fangen meine Confessions of an endangered mind an: Seit einiger Zeit mache ich meinen Kopf aus, weil es mir zuviel wird. Ich habe mich im letzten halben, dreiviertel Jahr (oder auch schon länger, ich weiß es nicht) so oft und so arg betrunken wie schon seit zehn Jahren nicht mehr.
In meiner Familie gibt es viel zu viele Menschen mit einem ungesunden, nein eigentlich einfach nur beschissenen Trinkverhalten, und ich gehöre auch dazu. Alkohol ist in der Gastronomie immer zugänglich, immer präsent, immer am Start: Wir nutzen das aus. Viel zu oft.
Bis vor einiger Zeit konnte ich damit völlig entspannt umgehen: Ein Glas Wein, oder auch mal zwei. Stop. Zwei, drei Bier, leicht angeschickert. Stop. Auch mal richtig betrunken nach Hause gehen, sich was kochen, am nächsten Tag Kater wie Sau. Stop.
In letzter Zeit ist mir mein inneres Stopschild abhanden gekommen: Fange ich an zu trinken, höre ich nicht mehr auf, bis ich voll bin und betrunken nach Hause gehe. Ich trinke, wenn ich gut drauf sein will, ich trinke, wenn ich wütend bin, ich trinke, wenn ich Angst habe. Ich trinke, um den Kopf auszumachen.
Seit ein paar Wochen ist mir das bewußt: Ich will nicht mehr so trinken. Also trinke ich nicht mehr oder viel weniger als vorher. Aber was tue ich stattdessen? Ich kiffe. Nicht viel im Vergleich zu andern, aber viel im Vergleich zu mir, früher, damals, bis vor ein paar Monaten, wann auch immer. Abends heimkommen, Tagwerk erledigt, Kopf immer noch an, will nicht runterfahren: Telefonieren, Tüte bauen, Kopf aus, im Rausch einschlafen.
Und seit ein paar Tagen nagt es an mir und will raus oder rein und jetzt ist es da, wo es hin soll: Ich habe ein Problem mit dem Kiffen. Ich will das nicht mehr, ich will keine Funktion mehr außer Genuß, ab und zu, FesttagsTüte, Gläschen Wein zum Essen und gerne auch mal die Kuh fliegen lassen, aber bitte nur die Kuh und nicht meine Ängste und Sorgen und Nöte und Zwänge.
Alles reine Entscheidungssache, und ich habe mich heute entschieden: Schlußaus. Lieber den Kopf anlassen, als ihn weich und mürbe und blöde zu machen, egal durch was. Mein Kopf ist es nämlich, auf den ich stolz bin, stolzer als jemals zuvor, weil er, weil ICH im letzten Jahr und auch die Jahre davor so viel geleistet habe, weil ich mich verändert habe, weil ich stärker und authentischer und ehrlicher geworden bin. Ich will diesen meinen Kopf, mit dem ich noch mein ganzes Leben verbringen muß, nicht kaputt machen. Ich will den Phoenix weder ersäufen noch ersticken, nur weil er ein Workaholic ist und keine Pausen macht. Das gehört zu mir dazu, zu meinem Leben und zu meiner Welt, und die Welt läßt sich nun mal nicht anhalten und soll es auch gar nicht, denn Stillstand heißt auch: Es dauert länger, bis alles gut wird, bis alles da ist, wo es hin soll und Frieden einkehrt.
Und an diesem Punkt kommt jemand ins Spiel, der lange nicht mehr wirklich präsent war in meinem Leben, und dessen gedachten und gefühlten Verlust ich nie verwunden habe: Gott.
Es gab mal eine Zeit, in der mein Kopf auch andauernd dachte und wollte und forderte, in der ich mich wie eine Flipperkugel durch mein Leben geworfen fühlte, aber gleichzeitig so selbstverständlich Gottes Präsenz gespürt habe, daß ich durch Beten und Meditieren oder sagen wir Zwiesprache (wortlose, gefühlte) ruhiger wurde. Ich habe mich aufgehoben und geborgen gefühlt, einfach weil ich wußte: Er ist da und alles wird gut, weil er bei mir ist, immer.
Drogen geben mir auch das Gefühl, daß mein Kopf aus ist, vielleicht sogar heftiger, aber anders: künstlich. Wenn ich morgens aufstehe und Kaffee trinke, um wach zu werden, bin ich irgendwann wach und je nach Kaffeekonsum nervös. Wenn ich morgens aufstehe und ausgeschlafen habe, bin ich wach. Punkt. Einfach und ehrlich da und wach und fertig, und nicht künstlich herbeigeführt da. Klar gibt es Zeiten, in denen einem metaphorisch gesehen anscheinend nichts anderes übrig bleibt, als sich literweise Kaffee in den Kopp zu hauen, weil man morgens wach sein muß, aber hey: Wie wäre es mal mit früher schlafen gehen?
Oder, um mal wieder aus der Metapher auszusteigen: Sich wieder mit Gott und meiner inneren Ruhe auseinanderzusetzen? Das ist zwar anstrengender und mit mehr Arbeit und Aufwand verbunden als sich einfach Alkohol undoder THC in den Organismus zu ballern, aber dauerhaft gesünder und effektiver, weil ehrlicher.
Und ich habe mich entschieden, den ehrlichen Weg zu gehen, denn der Phoenix braucht Ehrlichkeit, um zu wachsen und fliegen zu können. Ich will den Rauschmitteln ihre Funktion, die ich ihnen in letzter Zeit zugewiesen habe, entziehen und wieder alles an seinen Platz verweisen und meine Sorgen und Ängste dorthin tragen, wo sie gut aufgehoben sind.
Atheisten mögen hier berechtigerweise einwenden, daß ich mir damit eine Ersatzdroge verschaffe, Opium fürs Volk, mag sein. Aber in meinem Universum gelten meine Regeln, und wenn diese funktionieren und niemandem schaden (allen voran mir selbst nicht), entscheide ich mich dafür.
Das Taizetrauma ist immer noch nicht verwunden, es lauert immer noch irgendwo in Trash Town und harrt aus, ist irgendwo verdrängt und doch da: Die Schreie, das Blut, die Angst, die Fassungslosigkeit und Verzweiflung. Während ich dies schreibe, verändern sich die Geräusche um mich, werden kristallener, weil ich beim Schreiben dieser Zeilen an eine Glaswand gestoßen bin, die in mir nachklingt. Dahinter lauert das Trauma und sieht mich an, und ich kann es nicht fühlen oder anfassen, nur sehen, weil da noch zuviel abgespalten ist, zu schlimm und noch zu viel für mich.
Aber ich weiß, daß Gott mich nicht verlassen hat, daß er immer noch da ist. Ich kann ihn spüren, wieder lauter und mehr, jetzt. Und er ist bei mir und bleibt es und paßt auf mich auf, wenn ich nur bei mir bin und bleibe.
Eine Geschichte, die das alles verdeutlicht, muß ich an dieser Stelle einfügen:
Spuren im Sand
Margaret Fishback Powers, 1964
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"
Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."
Ich bin nicht der Fels in der Brandung, wie ich noch vor ein paar Tagen dachte. Ich bin aber auch nicht klein und verzagt und fünf Jahre alt, wie ich gestern dachte. Ich bin ich, und ich habe Probleme, und ich brauche manchmal einfach jemanden zum Anlehnen. Aber ich weiß auch, daß ich Menschen zum Anlehen und Dasein und InDenArmNehmen habe, daß ich eine Familie habe, und das macht mich glücklich.
Das Wissen, daß ich mich anlehnen darf und Kummer haben und Sorgen, daß ich angenommen werde, egal wie schlecht es mir geht, daß ich geliebt und gemocht und respektiert werde, so wie ich bin, macht mich froh und zufrieden.
Und bevor ich mich im Pathos verliere (die Sonne scheint gerade sehr gottgleich durch die Wolken und mir ins Gesicht), sage ich einfach: Danke. Euch allen.
smiri - 9. Feb, 14:52
sandra (Gast) - 11. Feb, 18:35
Schon länger als ein 3/4 Jahr. Deshalb waren wir auch eigentlich froh als du in der Gastronomie aufhören wolltest...
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