10.12.: Wisdom.
December 10 – Wisdom. What was the wisest decision you made this year, and how did it play out?
Holy freakin' cow. Weisheit - war mein Magisterthema, wird wahrscheinlich mein Promotionsthema (irgendwie, irgendwo, irgendwann oder auch nicht, haha), Weisheitstheorien und Weisheitsforschung kommen mir zu den Ohren raus und seltener fallen mir dazu Sätze aus dem Mund. Ich rede nicht gerne über dieses Thema, weil ein Rattenschwanz an unangenehmen Gedanken und Gefühlen dranhängt.
Aber tun wir für einen Moment so, als würde ich nicht hauptberuflich zu den geschätzten fünf Leuten auf der Welt gehören, die Weisheit zu erforschen versuchen:
Zunächst einmal frage ich mich: Was ist denn eine "weise" Entscheidung? Kann ich das vorher schon beurteilen - oder erst hinterher, wenn ich das Ergebnis meiner Entscheidung kenne und diese nach ihrer Konstruktivität und ihrem Nutzen für mich und meine Entwicklung beurteilen kann?
Ich glaube, ich tendiere zu letzterem, obwohl ich das an sich falsch finde, Gefühlsdusel, der ich bin: Weise Entscheidungen sollten die sein, die man in dem Moment der Entscheidung für absolut notwendig und richtig hält, egal, wie es letzten Endes ausgeht. Alle Fakten kennt eh keiner, in die Zukunft kann so direkt auch niemand sehen und außerdem hängt das Ergebnis einer persönlichen Entscheidung meist von vielen anderen Menschen und vielen Zufällen ab.
Und deswegen heißt "weise" nicht, daß man hinterher seine glücklichste Entscheidung, mit der man aufgrund der Einwirkung anderer Menschen und glücklicher Fügungen am besten gefahren ist, als die weiseste beurteilt.
Weisheit hat auch was mit Konstruktivität zu tun (okay, ich bin doch ziemlich in der Materie drin, ich kann das nicht abstellen, verzeihung): Weise entscheiden heißt so entscheiden, daß die Anzahl der Handlungsmöglichkeiten wächst - oder sich zumindest nicht gravierend verringert. Weise entscheiden heißt auch oft, für andere mitzudenken und vor allem mitzufühlen: Ich möchte mit meiner Entscheidung möglichst wenigen Leuten wehtun oder sie einschränken. Weisheit heißt auch, im Einklang mit meinen Zielen und Idealen zu handeln, mich selbst nicht zu verraten oder zu verbiegen, sondern zusammenfassend das zu tun, was ich nach Maßgabe aller Fakten für gut und richtig befinde und was mich irgendwo weiterbringt, ohne andere in ihrer Freiheit zu beschneiden.
Was war nun also meine weiseste Entscheidung 2010?
- mir wieder Antidepressiva verschreiben zu lassen: Dadurch habe ich eine schlimme Phase viel besser ertragen und rechtzeitig gebremst, bevor sie richtig schlimm werden konnte
- die Antidepressiva wieder abzusetzen: Dadurch habe ich eine der intensivsten Phasen der letzten Jahre erleben können und viel über mich gelernt
- spontan nach Stuttgart zu fahren, um zu demonstrieren: Dadurch habe ich erfahren, daß ich politisch aktiv sein kann, daß ich etwas Mutiges unternehmen kann, daß ich mich auf Unsicherheit einlassen kann. Ich war endlich mal wieder richtig spontan und richtig ich selbst - und ich habe mein Echo gefunden.
Was mir hierbei auffällt: Das waren alles keine streng rationalen und überlegten Entscheidungen, die tagelang hin- und hergewälzt wurden, sondern der richtige (emotionale!) Impuls im richtigen Moment. Sei es der Griff zum Telefon, um einen Termin beim Psychiater abzumachen, sei es die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit nach Stuttgart Donnerstags abends.
Es scheint, ich bin eher intuitiv als weise...oder ist das miteinander verwandt?
Holy freakin' cow. Weisheit - war mein Magisterthema, wird wahrscheinlich mein Promotionsthema (irgendwie, irgendwo, irgendwann oder auch nicht, haha), Weisheitstheorien und Weisheitsforschung kommen mir zu den Ohren raus und seltener fallen mir dazu Sätze aus dem Mund. Ich rede nicht gerne über dieses Thema, weil ein Rattenschwanz an unangenehmen Gedanken und Gefühlen dranhängt.
Aber tun wir für einen Moment so, als würde ich nicht hauptberuflich zu den geschätzten fünf Leuten auf der Welt gehören, die Weisheit zu erforschen versuchen:
Zunächst einmal frage ich mich: Was ist denn eine "weise" Entscheidung? Kann ich das vorher schon beurteilen - oder erst hinterher, wenn ich das Ergebnis meiner Entscheidung kenne und diese nach ihrer Konstruktivität und ihrem Nutzen für mich und meine Entwicklung beurteilen kann?
Ich glaube, ich tendiere zu letzterem, obwohl ich das an sich falsch finde, Gefühlsdusel, der ich bin: Weise Entscheidungen sollten die sein, die man in dem Moment der Entscheidung für absolut notwendig und richtig hält, egal, wie es letzten Endes ausgeht. Alle Fakten kennt eh keiner, in die Zukunft kann so direkt auch niemand sehen und außerdem hängt das Ergebnis einer persönlichen Entscheidung meist von vielen anderen Menschen und vielen Zufällen ab.
Und deswegen heißt "weise" nicht, daß man hinterher seine glücklichste Entscheidung, mit der man aufgrund der Einwirkung anderer Menschen und glücklicher Fügungen am besten gefahren ist, als die weiseste beurteilt.
Weisheit hat auch was mit Konstruktivität zu tun (okay, ich bin doch ziemlich in der Materie drin, ich kann das nicht abstellen, verzeihung): Weise entscheiden heißt so entscheiden, daß die Anzahl der Handlungsmöglichkeiten wächst - oder sich zumindest nicht gravierend verringert. Weise entscheiden heißt auch oft, für andere mitzudenken und vor allem mitzufühlen: Ich möchte mit meiner Entscheidung möglichst wenigen Leuten wehtun oder sie einschränken. Weisheit heißt auch, im Einklang mit meinen Zielen und Idealen zu handeln, mich selbst nicht zu verraten oder zu verbiegen, sondern zusammenfassend das zu tun, was ich nach Maßgabe aller Fakten für gut und richtig befinde und was mich irgendwo weiterbringt, ohne andere in ihrer Freiheit zu beschneiden.
Was war nun also meine weiseste Entscheidung 2010?
- mir wieder Antidepressiva verschreiben zu lassen: Dadurch habe ich eine schlimme Phase viel besser ertragen und rechtzeitig gebremst, bevor sie richtig schlimm werden konnte
- die Antidepressiva wieder abzusetzen: Dadurch habe ich eine der intensivsten Phasen der letzten Jahre erleben können und viel über mich gelernt
- spontan nach Stuttgart zu fahren, um zu demonstrieren: Dadurch habe ich erfahren, daß ich politisch aktiv sein kann, daß ich etwas Mutiges unternehmen kann, daß ich mich auf Unsicherheit einlassen kann. Ich war endlich mal wieder richtig spontan und richtig ich selbst - und ich habe mein Echo gefunden.
Was mir hierbei auffällt: Das waren alles keine streng rationalen und überlegten Entscheidungen, die tagelang hin- und hergewälzt wurden, sondern der richtige (emotionale!) Impuls im richtigen Moment. Sei es der Griff zum Telefon, um einen Termin beim Psychiater abzumachen, sei es die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit nach Stuttgart Donnerstags abends.
Es scheint, ich bin eher intuitiv als weise...oder ist das miteinander verwandt?
smiri - 10. Dez, 10:22