Eigentlich bin ich grad viel zu müde und beseelt, um das hier und jetzt zu berichten, aber ich merke, es lastet auf meiner Seele und ich muß es tun. Jetzt. Die Zeit ist reif.
Ja, ich habe tatsächlich Post vom Pferdedieb bekommen, auf meinen Blogeintrag hin. Hatte ich nicht gesagt, er solle sich aus meinem Blog hinfortstehlen, wie er sich auch aus meinem Leben gestohlen hat?
Nun gut, ich kann ihn anscheinend nicht davon abhalten, hier mitzulesen. Daher gehe ich jetzt einfach mal davon aus, daß er diese Zeilen ebenfalls liest, auch wenn ich das eigentlich nicht möchte und das streng genommen auch nicht besonders fein und respektvoll finde, denn Smiri möchte in Ruhe gelassen werden, besonders in ihrer blauen Welt.
Die schreibe ich nämlich für mich, mein lieber Herr Gesangsverein (im wörtlichen Wortsinne des Wortes!), und ich schätze es nicht, wenn Exfreunde hier rumturnen und sich in meiner virtuellen Welt verlustieren - besonders, nachdem sie in der echten Welt, der ebenfalls meinigen, marodierend, plündernd und brandschatzend durch mein Leben und mein Herz gestampft sind und nichts als Verwirrung, Wut und Enttäuschung zurückgelassen haben.
Also gut, ihr Exfreunde da draußen, ihr Smirischen: Dann lest doch mit. Informiert Euch doch ruhig drüber, wie ich mit Eurem Verschwinden klarkomme, mich über Euch und mich auslasse oder auch nicht. Tut doch einfach so, als hätte es mich nicht gegeben, am besten monatelang (das betrifft auch, besonders und ganz speziell den Herrn Gesangsverein, vulgo: Pferdedieb) und schleicht stattdessen heimlich um den Blog, den nunmehr blauen. Verfolgt ruhig den Weg, den Eure Ex einschlägt, nachdem sie Euch endlich/leider/trotz allem/schmerzvoll/erleichtert losgeworden ist.
[Ab hier wechsle ich zur direkten Anrede, denn wenn Du schon hier mitliest, kann ich auch hier antworten:]
Aber schreib mir dann nicht drei Seiten unleserliches, handgekotztesschriebenes, wirres Zeug, ohne Anrede, ohne äußere undoder innere Form.
Das finde ich nicht schön oder klärend oder angenehm oder UiTollErHatSichMüheGegeben oder AchWieNettIchVerzeiheDir, sondern einfach nur daneben, unpassend und respektlos.
Ich werde auf den Inhalt nicht wahnsinnig genau eingehen, das möchte ich an dieser Stelle nicht, weil mir das zu persönlich ist. Nur soviel: Eine Anrede hätte ich doch schon verdient, oder? Ich meine, immerhin kannst Du in vier Monaten nicht vergessen haben, wie ich heiße. Hoffe ich zumindest.
Und ich finde auch, daß zwei Jahre Beziehung, die (laut Deiner eigenen Aussage!) "groß" war, etwas mehr Respekt verdient hat. Und kein Schmierpapier. Und vollständige Sätze. Von mir aus auch per Email, immerhin haben wir uns im Netz kennengelernt.
Du sagst, es würde Dir Jahre nachhängen, wenn Du meinem ewigen Zorn anheim gefallen wärest.
Rekapitulieren wir kurz das Geschehene:
Du betrügst mich, machst mir zwei Wochen lang Dauerprogramm, verläßt mich am Telefon, zwei Wochen vor meinen nächsten Prüfungen, bist drei Tage später mit ner Neuen am Start, läßt kein Wort von Dir hören (sondern schreibst meinen besten Freundinnen Emails, in denen Du auch noch Vorschläge für mein Geburtstagsgeschenk machst), schickst mir kommentarlos meine Sachen, tust einfach vier Monate so, als hätte es mich nie gegeben, und dann bekomme ich einen Brief, ohne Entschuldigung für irgendwas, ohne Einsicht, ohne Anrede.
Eine Frage: Warum soll ich nicht sauer sein?
Es standen auch schöne Dinge in dem Brief, das lasse ich uneingeschränkt gelten. Du zählst auf, was Dich an mich erinnert, und das ist viel. Du sagst, ich wäre bewundernswert und Du wärest manchmal gerne ein bißchen wie ich. Unsere Beziehung war Dir wichtig, das weiß ich jetzt.
Aber alles Schöne, was in dem Brief steht (und auch ganz viel von dem Schönen, was in unseren zwei Jahren passiert ist), wird durch den jeweils nächsten Satz zunichte gemacht.
Dadurch, daß Du Dir anmaßt, über meine sexuelle Orientierung zu urteilen und mich zu beglückwünschen, daß ich "endlich frei" bin. Dadurch, daß Du mir Sätze und Gedanken in den Mund legst, die ich während der Lektüre so nicht gedacht habe.
Dadurch, daß Du explizit zugibst, hier mitzulesen, und meine Einträge kommentierst (anonym im Weblog und eindeutig im Brief).
Wer mich kennt, weiß, daß es zwei Welten gibt, diese hier und die Realität, und ich es nicht schätze, wenn die Menschen in der Realität auf mein virtuelles Ich bezug nehmen, mich Dinge über Blogeinträge fragen oder diese im echten Leben kommentieren.
Wer zwei Jahre mit mir zusammen war, sollte das eigentlich auch wissen.
Ich habe Dich geliebt, wirklich sehr. Ich dachte, Du bist der Mann, mit dem ich Kinder bekomme und den ich heirate und mit dem ich zusammen alt werde. Du hast mir durch viele schlimme Phasen durchgeholfen, Du hast mich festgehalten und in den Arm genommen, wenn nichts mehr ging. Das war großes Kino, ehrlich, und das halte ich in Ehren.
Aber kaum war ich erstarkt und meine Magisterarbeit und die dazugehörigen Depressionen los, warst Du weg.
Meiner Meinung nach immer noch einfach so, ohne Vorwarnung. Ich war bereit, mir ein Zimmer in Deiner Stadt zu suchen, zu pendeln, während ich hier promoviere, mich auf Dich einzustellen, für Dich da zu sein. Aber irgendwo auf dem Weg warst Du plötzlich weg, mitten in meinen Prüfungen. Da war dann eine andere, mit der Du Deinen dreißigsten Geburtstag gefeiert hast.
Erwarte bitte nicht von mir, daß ich Dir das so schnell vergesse und vergebe. Erwarte nicht, daß drei Seiten Dein Ablaßbrief sein können. Erwarte nicht, daß alles plötzlich wieder gut ist und meine Trauer um die zwei Jahre einfach vorbei.
Das hier ist meine Trauer, die unsere Beziehung meiner Meinung nach auch redlich verdient hat, mein Abschiednehmen von einem Teil meines Lebens, meine Auseinandersetzung mit unserer Zeit. Und so wenig, wie Du mir mit Deinem Brief dabei helfen kannst, so wenig kann ich Dir Deine Trauer und Abschiednahme und Auseinandersetzung (wann auch immer diese sein möge) irgendwie erleichtern.
Du hast Scheiße gebaut, große zwischenmenschliche Scheiße: Komm damit klar. Ohne mich.
Wenn Du dann noch mit mir drüber reden willst, dann rede mit mir. Auf Augenhöhe. Diskurs, zwei Beteiligte, Dialog. Stell Dich meiner Wut, stell Dich Deiner Trauer.
Pferdedieb, es tut mir wirklich von Herzen leid, das sagen zu müssen, aber: Nach zwei Jahren hätte ich mehr erwartet.
Und meine Antworten suche ich mir lieber wieder selber.
smiri - 3. Mär, 00:06