Donnerstag, 26. Oktober 2006

It's a very, very...mad world.

Jawohl, Smiris Welt ist verrückt, irgendwie verschoben heute und ich sehe laut Herrn S., meinem geschätzten Therapeuten, aus wie eine Skulptur von Auguste Rodin, weil aus jeder meiner Poren die Erschöpfung und Ratlosigkeit dringt und jede Bewegung, jede Pose, die ich bewußt oder unbewußt einnehme, diese ausdrückt. Ein klitzekleines bißchen erlaube ich mir heute, durchzudrehen, Fassung und Nerven zu verlieren. Mein Wahnsinn bekommt ein kleines Stück Welt geschenkt von dieser wahnsinnigen Welt, und ich entschuldige mich schon jetzt bei den Menschen, die die Ausläufer des Wahnsinns abbekommen werden: Es geht nicht anders, nicht jetzt, nicht heute. Dafür wiegt die Welt mir zu schwer und lastet auf meinen Schultern. Der ganze Krampf und die Angst müssen irgendwo hin, und ein wenig Verschrobenheit, schlechte Laune und sozialer Brainfuck sind mir lieber als das, was das Gewicht der Welt sonst in mir auslösen würde.

Also Geduld mit mir, liebe Menschen des analogen Lebens: Ich klinke mich nur kurz aus und bin bald wieder in ganzer Smiriesse für Euch da.

Da ist es nicht verwunderlich, was heute Lied des Tages ist...Das Original ist natürlich von den großartigen Tears For Fears, aber dies ist die Version, die mich auf meinem mp3-Player durch die Tage begleitet:

Gary Jules, "Mad World"

All around me are familiar faces,
Worn out places,
Worn out faces,
Bright and early for the daily races,
Going nowhere,
Going nowhere,
Their tears are filling up their glasses,
No expression,
No expression,
Hide my head I wanna drown my sorrow,
No tomorrow,
No tomorrow,
And I find it kind of funny,
I find it kind of sad,
The dreams in which I'm dying are the best I've ever had,
I find it hard to tell you,
I find it hard to take,
When people run in circles it's a very very,
Mad world,
Mad world,
Children waiting for the day they feel good,
Happy birthday,
Happy birthday,
Made to feel the way that every child should,
Sit and listen,
Sit and listen,
Went to school and I was very nervous,
No one knew me,
No one knew me,
Hello teacher tell me what's my lesson,
Look right through me,
Look right through me,
And I find it kind of funny,
I find it kind of sad,
The dreams in which I'm dying are the best I've ever had,
I find it hard to tell you,
I find it hard to take,
When people run in circles it's a very very,
Mad world,
Mad world,
Enlarging your world,
Mad world...

...

Erstens: Mehrere Zitate, von denen nur manche auf meine Situation passen, andere schwirren einfach so durch meine Gedanken und lassen sich ab und zu auf einer Synapse nieder...

"Schönheit ist eine Frage der Geschwindigkeit des Blicks."
"Taking good care of the present, we can even transform the past."
"Wann hört es endlich auf zu dauern?"
"Ich habe Dich noch nie so lange nachdenken gehört."

Bits'n'Bobs, no loose ends here to tie up, though. Nur halbgedachte, angefühlte Dinge und hier und da Ärger und Einsamkeit und Verzweiflung und (was hatten wir sie vermißt!) Depression.

Ein großes Loch tut sich auf, und Smiri nimmt Anlauf, tagelangen, wie es scheint, und stürzt sich hinein, jucheißajuche. Und plötzlich wird wieder geweint und gelitten und beklagt und sich echauffiert und verzweifelt und das Dunkel nimmt seinerseits Anlauf (wir spielen schließlich rundenbasiert, das Leben und ich) und verschlingt mich und stürzt sich auf mich und beißt sich in mir fest. Plötzlich frage ich mich, ob es jemals weg war, jemals weg gewesen sein kann, mein Dunkel. Dunkler Zwilling meiner selbst bin ich nun wieder und harre der Dinge, die da kommen. Und dabei gehts mir nichtmal schlecht, nur eben: Nicht gut. Nichts ist gut.

Mein Vater schreibt mir und denkt an mich und liebt mich, und ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, außer: Papa, sei tapfer. Ich hab Dich auch lieb, auch wenn ich nicht weiß, wie ich das sagen oder zeigen soll. Ich hab Dich lieb, auch wenn ich sehr lange nichts von Dir wissen wollte und wir jetzt nicht wissen, wie wir das anstellen sollen, dieses uns unbekannte Vater-Tochter-Ding, mit dem wir vor mehr als der Hälfte meines Lebens aufgehört haben.

Ach, verdammt. Darüber kann ich nicht mehr schreiben, auch wenn ich mehr schreiben wollte, mehr schreiben will, aber es geht nicht.

Ich vermisse ihn, bowohl ich ihn kaum kenne: Meinen Papa.
Und meine Mutter vermisse ich auch.

Meine Eltern.

Verdammtverdammtverdammt.

Kann sein, daß ich das hier wieder lösche, ich habe noch nie etwas gelöscht in den letzten fast drei Jahren, steht alles noch hier, Smiris Welt steht noch. Aber was ist mit Smiri, steht die eigentlich noch?

Wer bin ich, meiner Wurzeln beraubt?

Und das Loch tut sich auf und verschlingt mich und ich weiß, das hier lesen Leute, aber das ist mir zum ersten Mal seit Monaten wieder egal und ich schreibe wieder wie früher, nein: Wie zu den Zeiten, als es mir richtig schlecht ging.

Geht es mir denn richtig schlecht? Ich weiß nicht, ich weiß nur, daß Kleinigkeiten ausreichen, um mich aus der Bahn zu werfen, mich an andere unerledigte, nur angefühlte und angedachte Dinge denken lassen, an so viel Schmerz und Alleinsein und Mitleid und Liebe, die kein Ziel hat und vor sich hin irrt und nicht weiß, wohin mit sich, wohin mit mir, verdammt, wohin, wenn ich doch kein Zuhause habe, keine Basis, mir selber Heimat sein und geben muß und doch nicht weiß, wer oder was ich bin, ich mir bin.

Wem will ich denn sein, wenn nicht mir?

Und aus der Tiefe heraus schreibe ich und lege meine Seele, mein banales, kleines Selbst auf ein Tablett, präsentiere und beleuchte.

Und wer mich kennt, wer mich wirklich kennt, der liebt mich, kann nicht anders als mich lieben und doch: Ich als mein eigener dunkler Zwilling scheine mich nicht zu kennen, denn sonst liebte ich mich doch.

So schreibt man sich hinein, liebe Smiri, in die große, bunte Welt der Depression, also schreib Dich jetzt auch wieder raus! Du hast Dir das eingeschrieben, jetzt mußt Du es auch wieder auslöffeln.

Und ich schreibe und schreibe und lese nicht und denke nicht, ich fühle nur und schreibe, wie ich seit langem nicht mehr geschrieben habe, nicht mehr Ausdruck meiner Selbst, sonder Ich Selbst in Reinkultur, Schreiben wie Atmen, nicht mehr nur Bedürfnis, sondern lebensnotwendig, dieses Gefühl habe ich beim Schreiben: Es muß raus, es muß alles raus und weg und fort von mir, ich schreibe mich gewissermaßen aus mir weg, das Dunkel weg, raus und weit fort von meinem Herzen, meinem Kern und gleichzeitig ist das Dunkel mein Kern und die Worte und Sätze formen sich in meinem Hirn und hämmern gegen meine Schädeldecke: Ich bekäme Kopfschmerzen, schriebe ich sie nicht. Und auch das Dunkel hämmert und schlägt gegen meine Schläfen und verlangt Einlaß in mein Herz und schreit und winselt eben nicht, denn winselte es, würde es flehen, und das tut es nicht: Es ist bestimmt, das Dunkel, und sehr eigenwillig und wenn auch Teil von mir, so doch unabhängig und unberechenbar. Und so lasse ich es heraus, lasse ihm auf der Tastatur freien Lauf, um morgen oder später oder in drei Monaten dies zu lesen und mich zu wundern: Habe ich das geschrieben? War ich das? Bin ich das?

Jetzt wird es schwächer und zieht sich zurück, hat genug Freilauf bekommen für heute und macht es sich in meinem Herz gemütlich, füllt es aus und zwingt mich ins Bett, in den Schlaf, in meine Träume zwingt es mich und zwängt es sich und ich werde wild träumen heute nacht, ich weiß es.

Es wird still in mir und ich komme wieder zu mir und weiß nicht mehr, bo die Sätze Wirklichkeit sind oder Geschichte, Fiktion ob der Wirkung: Forme ich die Worte, oder formen die Worte mich, wer ist hier Ursache, wer Wirkung?

Es ist konfus und war so nicht geplant und bleibt deshalb auch ohne Titel.

Gelöscht wird aber nicht.

Smiris Welt steht noch: Heute zu gleichen Teilen auf Trash Town und dem Phoenixpalast.

Nie fragen!

Smiris Welt

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